Meridiane und Qi / Akupunkturpunkte
Meridiane und Qi: die klinische Grundlage der Akupunktur
Das Meridiansystem wurde vor mehr als viertausend Jahren kartiert — eine Leistung der Beobachtung und Systematisierung, die bis heute ihren klinischen Wert bewahrt hat. Die 365 Akupunkturpunkte auf den Meridianen sind Zugangstore, über die der Behandler den Qi-Fluss beeinflussen, Mangelzustände stärken und Ungleichgewichte ausgleichen kann. Das Verständnis der Beziehung zwischen Meridianen, Qi und Akupunkturpunkten bildet den Kern der klinischen TCM-Praxis.
Akupunkturpunkte: lokal und distal
Jeder Akupunkturpunkt besitzt zwei therapeutische Wirkbereiche. Die lokale Wirkung behandelt Beschwerden in der unmittelbaren Umgebung des Punktes — ein Punkt an der Schulter bei Schulterschmerzen, ein Punkt um das Auge bei Augenbeschwerden. Die distale Wirkung behandelt Beschwerden, die weit vom Punkt entfernt liegen, aber entlang desselben Meridianverlaufs auftreten. Das bekannteste Beispiel ist DI 4 (Hegu, Dickdarm 4 an der Hand): Dieser Punkt eignet sich hervorragend bei Kopfschmerzen, Zahnschmerzen und Beschwerden im Gesicht, weil der Dickdarmmeridian an Nase und Gesicht endet.
Diese Kombination aus lokaler und distaler Wirkung macht die Akupunktur so vielseitig: Beschwerden können über Punkte behandelt werden, die anatomisch weit vom Ort der Beschwerde entfernt liegen. Deshalb kann Akupunktur auch bei Erkrankungen an Stellen wirksam sein, die direkt nur schwer erreichbar sind.
Namen und Nummern
In der chinesischen Tradition besitzt jeder Akupunkturpunkt einen poetischen Namen, der auf seine Funktion, Lage oder seinen Charakter verweist. Zusanli (Magen 36) bedeutet "drei Entfernungen entlang des Beins"; Hegu (DI 4) bedeutet "zusammenfließendes Tal"; Shenmen (Herz 7) bedeutet "Tor des Geistes". Diese Namen sind keine Dekoration — sie sind Gedächtnisstützen, die das Wesen des Punktes beschreiben.
Im Westen wurden die Punkte nummeriert und nach dem jeweiligen Meridian benannt: Lunge 7, Leber 3, Magen 36. Dieses System erleichtert die internationale Kommunikation, verliert jedoch die poetische Bedeutung der chinesischen Namen. In der klinischen Ausbildung ist es wertvoll, beide Systeme zu kennen.
Die hundert kraftvollsten Punkte
Von den 365 Akupunkturpunkten gibt es ungefähr hundert, die besonders kraftvoll und klinisch vielseitig sind. Diese Punkte werden am intensivsten studiert und bilden den Kern der Akupunkturpraxis. Dazu gehören die Shu-Antiken Punkte, Quellpunkte, Luo-Punkte, Einflusspunkte sowie eine Reihe kraftvoller lokaler und distaler Punkte. Wer diese hundert Punkte gut kennt — ihre Lage, ihre Funktionen und ihre therapeutischen Anwendungen — verfügt über eine ausgezeichnete Grundlage für eine wirksame klinische Praxis.