Wei Qi (Abwehr-Qi)
Wei Qi: das Abwehr-Qi, das den Körper schützt
Während Ying Qi den Körper von innen ernährt, bewacht Wei Qi seine äußeren Grenzen. Wei Qi — das Abwehr-Qi — bildet die erste Verteidigungslinie gegen äußere pathogene Einflüsse wie Wind, Kälte, Hitze, Feuchtigkeit und andere Faktoren, die von außen in den Körper eindringen und Krankheit verursachen können. Im TCM-Modell stellt es das defensive System des Körpers dar — kraftvoll, schnell und ständig aktiv.
Was ist Wei Qi?
Das Su Wen — ein klassisches medizinisches Werk aus der Han-Zeit — beschreibt Wei Qi deutlich: Es wird aus dem gröberen Anteil von Nahrung und Wasser gebildet, ist gleitend in seiner Natur und kann die Meridiane nicht durchdringen. Es zirkuliert zwischen Haut und Muskeln, befeuchtet die Membranen und breitet sich über Thorax und Abdomen aus.
Wei Qi ist von Yang-Natur — im Gegensatz zum inneren und nährenden Ying Qi, das Yin ist. Yang bedeutet hier: aktiv, schnell, warm und nach außen gerichtet. Wei Qi bewegt sich rasch durch die oberflächlichen Schichten des Körpers und ist ständig bereit, Bedrohungen von außen abzuwehren. Seine gleitende und nicht eindringende Eigenschaft eignet sich für diese oberflächliche Schutzfunktion.
Die Funktionen des Wei Qi
Die grundlegendste Funktion des Wei Qi ist der Schutz: Es bewacht den Körper vor Angriffen äußerer pathogener Faktoren. In der TCM werden diese als Wind, Kälte, Hitze, Feuchtigkeit, Trockenheit und Feuer beschrieben — Umwelteinflüsse, die bei geschwächtem Wei Qi in den Körper eindringen und Krankheit hervorrufen können. Starkes Wei Qi bildet einen Schutzschild, während schwaches Wei Qi äußere pathogene Einflüsse leichter passieren lässt.
Wei Qi besitzt außerdem eine thermische Funktion: Es wärmt Haut und Muskeln und trägt zur Regulierung der Körpertemperatur bei. Durch die Kontrolle des Öffnens und Schließens der Poren reguliert Wei Qi auch die Transpiration. Bei Hitze werden die Poren geöffnet, damit Schweiß Wärme abgeben kann; bei Kälte werden sie geschlossen, um Wärmeverlust zu begrenzen.
Wei-Qi-Mangel: Anfälligkeit und spontanes Schwitzen
Wenn Wei Qi geschwächt ist, können die Folgen rasch sichtbar werden. Die unmittelbarste Erscheinung ist nach der TCM eine erhöhte Anfälligkeit für äußere Erkrankungen. Häufige Erkältungen, Grippe, Sinusitis und andere Atemwegsinfektionen gelten traditionell als mögliche Zeichen eines Wei-Qi-Mangels. Der Körper kann äußere pathogene Einflüsse dann weniger wirksam abwehren.
Ein weiteres charakteristisches Zeichen ist spontanes Schwitzen am Tag — Schwitzen ohne körperliche Belastung oder Hitze. Traditionell wird dies damit erklärt, dass schwaches Wei Qi die Poren nicht ausreichend geschlossen halten kann und Flüssigkeiten deshalb nach außen austreten. Nachtschweiß wird dagegen eher einem Yin-Mangel zugeordnet und stellt ein anderes Muster dar, das nicht mit Wei-Qi-Mangel verwechselt werden sollte.
Die Lunge als Kontrollinstanz des Wei Qi
Wei Qi steht unter der Kontrolle der Lunge. Dies ist eine klinisch wichtige Beziehung der TCM: Eine schwache Lungenfunktion wird traditionell mit schwachem Wei Qi verbunden. Innerhalb dieses Modells erklärt dies, weshalb Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma, COPD oder wiederkehrender Bronchitis gleichzeitig als anfälliger für äußere Atemwegserkrankungen gelten können. Bei häufigen Erkältungen richtet sich die Behandlung daher häufig auf die Stärkung von Lungen-Qi und Wei Qi.
Praktisch kann dies traditionell Kräuter zur Tonisierung der Lunge wie Huang Qi und die Rezeptur Yu Ping Feng San, Akupunkturpunkte zur Stärkung des Wei Qi wie Lunge 9, Magen 36 und Blase 13 sowie Lebensstilmaßnahmen zum Schutz der Lunge umfassen, darunter ausreichend Schlaf, Schutz vor Wind und Kälte und ruhige Atmung.