Die Quelle
Die Quelle der Körperflüssigkeiten: wie Nahrung und Getränke in lebensspendende Feuchtigkeit umgewandelt werden
Die Körperflüssigkeiten entstehen nicht einfach von selbst. Sie werden durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Organe fortlaufend gebildet, transportiert, transformiert und ausgeschieden. Das Verständnis der Entstehung und Zirkulation von Jin Ye ist in der Traditionellen Chinesischen Medizin von grundlegender Bedeutung. Es erklärt, warum bestimmte Organe eine zentrale Rolle im Flüssigkeitshaushalt spielen und weshalb Flüssigkeitsstörungen so eng mit den Funktionen von Milz, Lunge und Nieren verbunden sind.
Nahrung und Getränke als Ausgangsmaterial
Die Körperflüssigkeiten entstehen aus den Nahrungsmitteln und Getränken, die täglich aufgenommen werden. Damit gehören sie zu den nachgeburtlichen Substanzen, die durch Verdauung fortlaufend ergänzt werden können. Dies unterscheidet sie vom vorgeburtlichen Jing, das bei der Empfängnis mitgegeben wird und im Laufe des Lebens nur langsam abnimmt. Gute Ernährung und eine gesunde Verdauungsfunktion sind daher grundlegende Voraussetzungen für ausreichende und qualitativ gute Körperflüssigkeiten.
Die Milz als Ausgangspunkt: Trennung von Rein und Unrein
Der Transformationsprozess beginnt bei der Milz. Nachdem der Magen die Nahrung aufgenommen und nach traditioneller TCM-Beschreibung "verrottet und gereift" hat, trennt die Milz die verwertbare Essenz von den Abfallstoffen. Dieses Prinzip der Trennung des Reinen vom Unreinen ist ein grundlegender physiologischer Mechanismus der TCM: Das Reine steigt auf, das Unreine sinkt ab.
Den reinen Anteil der Flüssigkeiten transportiert die Milz nach oben zur Lunge. Die Lunge verteilt einen Teil davon zur Haut, wodurch die Körperoberfläche befeuchtet und die Schweißregulation unterstützt wird. Ein weiterer Anteil wird zu den Nieren weitergeleitet.
Weitere Verarbeitung: Dünndarm, Blase und Dickdarm
Der unreine Anteil der Flüssigkeiten sinkt zum Dünndarm ab. Dort findet eine zweite Trennung statt: Der Dünndarm unterscheidet erneut zwischen Rein und Unrein. Der reine Anteil gelangt zur Blase, der unreine Anteil wird zum Dickdarm weitergeleitet, dort eingedickt und schließlich mit dem Stuhl ausgeschieden.
Die Blase ist in der TCM nicht nur ein Reservoir für Urin, sondern beteiligt sich aktiv an der Flüssigkeitstransformation. Sie führt eine weitere Trennung durch. Den reinen Anteil, den sie empfängt, leitet sie nach oben zu den Lungen, um diese zu befeuchten. Der unreine Anteil verlässt den Körper als Urin. Durch diese mehrfachen Trennungsschritte kann der Körper möglichst viel verwertbare Flüssigkeit zurückgewinnen und Abfallflüssigkeiten effizient ausscheiden.
Die Bewegungsrichtung: aufwärts und abwärts
Ein entscheidendes Prinzip des Flüssigkeitshaushalts ist die Bewegungsrichtung. Reine Flüssigkeiten müssen nach oben zu Lunge, Haut, Kopf und Sinnesorganen transportiert werden. Unreine Flüssigkeiten müssen nach unten zu Dickdarm und Blase gelangen und schließlich ausgeschieden werden. Das richtige Aufsteigen und Absinken hängt von der freien Bewegung des Qi ab, denn Qi bewegt die Flüssigkeiten und gibt ihnen ihre Richtung.
Wenn Qi geschwächt ist oder stagniert, kann die Flüssigkeitszirkulation ihre richtige Richtung verlieren. Reine Flüssigkeiten, die nicht ausreichend aufsteigen, können zu Trockenheit im Kopf und an den Sinnesorganen beitragen. Unreine Flüssigkeiten, die nicht absinken, können sich ansammeln und Schwellungen, Flüssigkeitsretention oder Schleim verursachen. Die Behandlung richtet sich deshalb häufig zunächst auf die Wiederherstellung einer korrekten Qi-Bewegung.
Die drei Schlüsselorgane: Lunge, Milz und Nieren
Obwohl viele Organe an Transformation, Transport und Ausscheidung der Körperflüssigkeiten beteiligt sind, besitzen Lunge, Milz und Nieren die wichtigste Rolle. Die Milz ist der primäre Produzent und Separator. Die Lunge verteilt die Flüssigkeiten zur Körperoberfläche und beteiligt sich an der Regulation der Transpiration. Die Nieren regulieren die Flüssigkeiten auf der tiefsten Ebene und liefern mit ihrem Yang die Wärme, die für die Transformation der Flüssigkeiten erforderlich ist.
Eine schwache Milz kann zu unzureichender Transformation und Schleimbildung führen. Eine schwache Lunge kann Trockenheit der Haut und mangelnde Verteilung der Flüssigkeiten verursachen. Schwache Nieren können mit Ödemen, häufigem Wasserlassen oder umgekehrt mit Flüssigkeitsretention verbunden sein. Die Kenntnis von Ursprung und Zirkulation der Jin Ye bietet daher einen präzisen Rahmen zum Verständnis und zur Behandlung von Flüssigkeitspathologien in der TCM.